Grenzen setzen, Teil drei. Warum Schuldgefühle bleiben, obwohl deine Grenze richtig war.
- Erich Huber
- 7. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Du hast es getan
Du hast Nein gesagt, du hast eine Grenze gezogen, die längst überfällig war. Und trotzdem, kaum ist der Satz ausgesprochen, meldet sich dieses unangenehme Gefühl im Bauch. Die Stimme, die sagt, du warst zu hart, du hättest es anders sagen können, du hast das Gefühl die Böse oder der Böse in der Geschichte zu sein. Das Schuldgefühl kommt fast immer, unabhängig davon, ob die Grenze berechtigt war oder nicht. Und genau das verwirrt viele Menschen. Sie denken, ein schlechtes Gewissen sei ein Zeichen dafür, einen Fehler gemacht zu haben. Dabei ist es meistens nur ein Zeichen dafür, dass du etwas Neues tust.
Schuldgefühle
Schuldgefühle nach dem Grenzen setzen haben selten mit der aktuellen Situation zu tun. Sie sind ein altes Programm. Wer in seiner Kindheit gelernt hat, dass Harmonie wichtiger ist als die eigene Meinung, dass Liebe an Anpassung geknüpft war, der hat tief verinnerlicht, dass eigene Bedürfnisse gefährlich sind. Nicht gefährlich für andere, sondern für die Beziehung. Wenn du als Kind gespürt hast, dass Widerspruch zu Rückzug oder Ablehnung geführt hat, dann hat dein Nervensystem gelernt, eine Grenze mit einer Bedrohung gleichzusetzen. Das Schuldgefühl ist also nicht die Wahrheit über die Situation, sondern ein altes Warnsignal, das zu früh und zu laut klingelt.
Der erste Schritt
Der erste Schritt um dich davon zu befreien, ist simpel und trotzdem schwierig. Du musst lernen, das Schuldgefühl zu bemerken, ohne ihm sofort zu glauben. Ein Gefühl ist ein Signal, keine Tatsache. Wenn du merkst, wie sich dieses ungute Ziehen einstellt, kannst du innerlich sagen, ich spüre gerade Schuld, das heisst aber nicht automatisch, dass ich etwas falsch gemacht habe. Diese kleine Distanz zwischen Gefühl und Wahrheit verändert enorm viel.
Der zweite Schritt
Der zweite Schritt ist, die Reaktion des anderen von deiner eigenen Verantwortung zu trennen. Du bist verantwortlich dafür, wie du deine Grenze kommunizierst, ruhig, klar, respektvoll. Du bist nicht verantwortlich dafür, wie der andere Mensch darauf reagiert. Wenn jemand enttäuscht, verletzt oder wütend reagiert, ist das seine Verarbeitung, nicht dein Fehler. Diese Trennung ist einer der wichtigsten Reifeschritte überhaupt.
Der dritte Schritt
Der dritte Schritt ist Wiederholung. Schuldgefühle verschwinden nicht durch Einsicht allein, sie verschwinden durch neue Erfahrung. Jedes Mal, wenn du eine Grenze setzt und danach merkst, die Welt geht nicht unter, die Beziehung bricht nicht auseinander, programmierst du dein Nervensystem ein kleines Stück um. Mit der Zeit wird aus dem lauten Alarm ein leiseres, kürzeres Echo, bis es irgendwann fast verschwindet.
Fazit
Schuldgefühle nach dem Grenzensetzen sind kein Beweis dafür, dass du falsch gehandelt hast. Sie sind ein Überbleibsel aus einer Zeit, in der Grenzen tatsächlich gefährlich waren. Heute ist das anders. Du darfst lernen, dass eine Grenze und eine gute Beziehung sich nicht ausschliessen, sondern einander oft erst möglich machen.
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